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Das EMTAL-Projekt ist ein interdisziplinäres Verbundprojekt der Arbeitsgruppen Geoökologie, Biologie/Ökologie, Bodenkunde, Umweltmanagement und
Hydrologie des IÖZ (Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum an der TU Bergakademie Freiberg). Daneben sind als weitere Mitarbeiter die
TU Dresden (Arbeitsgruppe Meteorologie), die CTU Prag und die beiden Firmen beak Consultants GmbH und Arcadis Consult GmbH mit
eingebunden. Außerdem besteht Zusammenarbeit mit der Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Freistaates Sachsen und dem Sächsischen Landesamt für
Umwelt und Geologie (LfUG). Unterstützt wird das EMTAL-Projekt vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
und mehreren Gruppen und Zusammenschlüssen, die die betroffenen Menschen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gemeinden, Industrie)
repräsentieren.
Das Projekt steht in Zusammenhang mit den Aktivitäten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (bmbf) in Bezug auf
Flussgebiets-Management.
Ergänzend zum emtal-Projekt läuft seit 1.11.2003 das von der DBU geförderte Projekt
HochNatur (Hochwasser- und Naturschutz im Weisseritzkreis).
Motivation
Flutkatastrophen wie im August 2002 zeigen die Verletzbarkeit von Infrastrukturen gerade einer so hoch differenzierten und
technologisch hoch entwickelten Industrienation wie Deutschland. Schäden treten dabei weniger in der Fläche als vielmehr im
unmittelbaren Nahbereich der Fließgewässer auf. Deren Reaktion, z.B. auf ungewöhnliche Niederschlagsereignisse jedoch ist abhängig
von Struktur und Management ganzer hydrologischer Einzugsgebiete.
Sozioökonomische Entwicklungen und politische Entscheidungen lassen in den nächsten Jahrzehnten eine erhebliche Veränderung der
Landnutzung in Mittelgebirgsräumen Mitteleuropas erwarten. Zusätzlich wird die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie
(EU-WRRL 2000)
zu einer veränderten Landnutzung in Flusseinzugsgebieten führen. Diese Veränderungen werden u.a. auch den Gebietswasserhaushalt
über den Einfluss der Vegetationsbedeckung und -struktur auf die Evapotranspiration und die Interzeption modifizieren. Diese
Einflussgrößen gilt es bei allen Ansätzen zur Vorsorge und einer nachhaltigen Planung und Entwicklung zu berücksichtigen. Dabei kommt
der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine wesentliche Bedeutung zu, weil die dort erfassten Regelungen imperativ für die Planungen auf
nationaler Ebene sind.
Das August-Hochwasser 2002 war trotz der grundsätzlichen Erkenntnis von Wiederkehrwahrscheinlichkeiten eine Überraschung - und
eine böse dazu. Doch haben die Hochwässer und die daraus resultierenden Schäden zugleich schonungslos Schwächen offenbart,
deren sich unsere Gesellschaft bewusst sein muss - und die es aktiv zu verändern gilt. Aus diesem Grund steht im EMTAL-Projekt neben der
Erforschung der sich aus der Umsetzung der EU-WRRL (unter Berücksichtigung möglicher Klimaänderungen) ergebenden Folgen das
Risiko-Management v.a. in Bezug auf den Hochwasserschutz, aber auch in Bezug auf die in Zukunft wahrscheinlich vermehrt auftretenden
Trockenperioden im Vordergrund.
Vorgehen und Projektmanagement
Angesichts der Komplexität der Aufgabe wurde ein interdisziplinärer Lösungsansatz gewählt, der von
Partnern aus Umweltmanagement und -ökonomie, Biologie/Ökologie, Bodenkunde, Geoökologie, Hydrologie, Limnologie und
Meteorologie/Klimatologie gemeinsam umgesetzt werden soll. Der Antrag wird von Universitäten (AGs
Umweltmanagement, Hydrologie, Biologie/Ökologie, Geoökologie, Bodenschutz der TU Bergakademie Freiberg, AG Meteorologie der TU Dresden, sowie der
AG Flood Hydrology der Tschechischen Technischen Universität (CTU Prag)), Landesbehörden (Landestalsperrenverwaltung, LTV, Landesamt für Umwelt und
Geologie, LfUG), und Firmen (BEAK GmbH, Arcadis GmbH) gemeinsam getragen. Dahinter steht auch die Unterstützung der Landesregierung mit dem
Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und zahlreicher Gruppen und Verbände im Zielgebiet aus Land-
und Forstwirtschaft sowie den Kommunen.
Das gesamte Projekt besteht aus sieben Modulen, an denen die Arbeitsgruppen (AGs) in unterschiedlicher Intensität angekoppelt sind. Dem Modul Risiko-Management kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu und als Rahmenthema ist es Bestandteil aller
weiteren Module. Ziel ist ein integriertes Risiko-Management, das wirtschaftliche und naturwissenschaftliche Verhältnisse und
Entwicklungen in die Zustandserklärung und in Handlungsempfehlungen umsetzt. Neben der aufbereitenden Analyse der HW-Ereignisse
des August, die von allen Arbeitsgruppen aus der jeweiligen Perspektive betrieben wird, geht es darum, konkrete Folgen der derzeitigen
Landnutzung zu quantifizieren und im Hinblick auf ihren Beitrag bei den HW-Schäden zu konkreten Empfehlungen zu entwickeln.
Im Zentrum des Vorhabens stehen die beiden Module "Regionales Umweltmanagement" und "Sektorales und projektbezogenes
Umweltmanagement". Daneben liefern die drei Module "Risiko-Management", "Kontinuum-Management" und "Ökosystem-Management"
dominant naturwissenschaftlich-technische Informationen und Modellergebnisse. Diese fünf Module stützen sich auf Ergebnisse des
Moduls "Recherche, Bestandsanalyse" und auf das Modul "Datenmanagement". Die Zusammenarbeit der Module wird durch das
Projektmanagement an der TU Bergakademie Freiberg (AG Matschullat) organisiert und koordiniert. Diese Gruppe hat ebenfalls zur
Aufgabe, Öffentlichkeitsarbeit, Integration der "Stakeholder" und Erarbeitung modifizierter Bewirtschaftungspläne in Zusammenarbeit
mit den Partnern LTV und LfUG umzusetzen. Endziel sind klare Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des
Einzugsgebiets-Managements, zur Reduktion der Hochwassergefahren bei zugleich Aufzeigen von positiven wirtschaftlichen
Entwicklungspotentialen der Region.
Zielgebiete
Abb. 1. Flussgebiet Weißeritz (Quelle: Informationsfaltblatt LTV 2000, o. Maßstab)
Zielgebiete sind die Einzugsgebiete der Talsperren Malter (Rote Weißeritz), Lehnmühle und Klingenberg (Wilde Weißeritz) im
Osterzgebirge.
Ausgewählt wurde dieses Gebiet vor allem wegen der im europäischen Maßstab außergewöhnlich guten Daten- und Informationslage
und weil die Einzugsgebiete mit oligo- bis eutrophen Verhältnissen im Staukörper verschiedenartige naturräumliche Bedingungen der
Einzugsgebiete repräsentieren. Zugleich haben die Hochwässer im August 2002 eindrucksvoll dokumentiert, dass dieser Zielraum
repräsentativ für die Reaktion eines Mittelgebirgsraumes auf entsprechende Niederschlagsmengen reagiert. Die Talsperren sind ab dem
frühen 20. Jahrhundert errichtet worden und wurden einschließlich ihrer Einzugsgebiete im gesamten Zeitraum relativ hochauflösend
untersucht und betreut. Daneben kann das Gebiet auch im Hinblick auf die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte als
überdurchschnittlich gut beschrieben bezeichnet werden - eine sehr gute Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des hier
beantragten Projektes.
Ziel des Projekts
Ziel des interdisziplinären Projektverbundes ist die exemplarische Entwicklung eines Risiko-Managements für europäische
Mittelgebirgseinzugsgebiete.
Integrative Strategien des Umweltmanagement, sozioökonomische Szenarien und Monitoring-Richtlinien
für Talsperren-Einzugsgebiete in Mittelgebirgsregionen unter Beachtung der nunmehr gültigen EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind
wesentliche Bestandteile dieses Vorgehens. Die Arbeitsergebnisse und Vorgaben der Ländergruppe Wasser (LAWA; u.a. beauftragt
mit der Umsetzung der WRRL für Deutschland) sollen durch eine enge Kooperation beachtet und integriert werden. Dieser Ansatz hat
nicht allein den unmittelbaren Hochwasserschutz im Blick, sondern sieht das Zielgebiet als System, das nur in einer integrierten
Herangehensweise robuste Ergebnisse und Handlungsempfehlungen erarbeiten kann. Wir sind der Meinung, dass die Projektergebnisse
erfolgreich zur Verminderung und Vermeidung künftiger Hochwasserschäden, aber zugleich auch zu einer strukturellen Verbesserung der
sozioökonomischen und infrastrukturellen Verhältnisse beitragen können.
Das Forschungsvorhaben verfolgt einen interdisziplinären Ansatz zur Verknüpfung naturwissenschaftlicher und sozioökonomischer
Daten und Modelle über geo-referenzierte Datensysteme, die Überführung der Daten in ökonomische und institutionelle
Bewertungssysteme sowie deren Umsetzung in Management- und Bewirtschaftungspläne, die durch technische, umweltökonomische
und Marketinginstrumente, und institutionelle Instrumente des Managements und des Controllings unterstützt werden. Mit diesem
Ansatz werden Voraussetzungen zur Umsetzung der EU-WRRL anhand des Beispiels Einzugsgebietsmanagement von Talsperren in
Mittelgebirgen geschaffen, die eine verursachergerechte Bewirtschaftung und ökonomische Instrumentierung der Managementpläne
ermöglichen. Hierbei kommen im Management von Umweltkonflikten im internationalen Maßstab angewandte Verfahren des Pricing und
des Managements mit Stakeholdern zur Anwendung.
Ziel ist ebenso die Schließung regionaler Stoffstrom- und Wirtschaftskreisläufe unter Anrechnung der Kosten und Nutzen eines
integrierten Regionalmanagements. Vorbelastungen sowie allochthone und autochthone Quellen sind mit dem Ziel der dynamischen
Modellierung von Belastungs- und Restaurationsprozessen einzubeziehen. Eine Validierung der Nutzungsansprüche und der
Umweltqualitätsziele wird durch Mediation mit Stakeholdern unterstützt.
Basierend auf einer reichen Daten- und Informationsbasis sollen die Ergebnisse zum Talsperren-Management im Zielgebiet in dem
geplanten Bearbeitungszeitraum von drei Jahren eine Übertragbarkeit sowohl auf das untersuchte Flussgebiet als auch für Gebiete
vergleichbarer Fragestellungen auf bundesdeutscher bzw. europäischer Ebene ermöglichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch die
Existenz von Talsperren-Bauwerken die jeweiligen Teileinzugsgebiete der Unterlieger durch das Bauwerk beeinflusst werden. Diese
Aspekte müssen integriert werden und das gesamte Einzugsgebiet (EG) der Weißeritz ist in die Abschlussbetrachtung mit einzubeziehen.
Dabei würden Fragen der Bedeutung von lokalen Ballungsräumen (hier Tharandt, Freital), von Naturschutzvorgaben (FFH-Fläche
Rabenauer Grund) und vor allem auch der Bewirtschaftung im Unterliegerbereich einer Talsperre besonders bearbeitet.
verändert nach der Vorhabensbeschreibung im Oktober 2002 von Prof. Dr. Jörg Matschullat
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